Stadtwerke Potsdam GmbH - Potsdams Wasserwerke

Potsdams Wasserwerke

Potsdams erstes Wasserwerk war kein schneller Erfolg

Es ist kaum zu glauben, was ehrwürdige, mit dekorativ-schwungvoller Kanzleischrift geführte Unterlagen des Magistrates der Stadt Potsdam unwiderleglich bezeugen: Das Angebot einer öffentlichen Trinkwasser-Versorgung zu erschwinglichem Preis weckte vor 130 Jahren in der Stadt nur mäßige Begeisterung. Bevor aber am 1. Juli 1876 das erste Wasserwerk in der Bertinistraße am Jungfernsee in Betrieb ging, hatten die Potsdamer Stadtväter bereits englische Ingenieurkunst, die in Europa führend war, und englisches Kapital bemüht, um der herkömmlichen Art der Wasserversorgung ihrer Bürger mittels „Pumpen“, wie sie im Volksmund genannt wurden, ein Ende zu bereiten.

Peu à peu sollten die Straßen- und Privatbrunnen aus dem Stadtbild verschwinden und der neuzeitlichen „Wasser-aus-Wand-Technik“ Platz machen.

Zwischen der Stadtgemeinde Potsdam und einem Herrn Frank Karuth zu Isleworth in England wurde schon am 18. September 1874 ein diesbezüglicher Vertrag geschlossen, in dem es um die Errichtung und den Betrieb eines Wasserleitungswerkes für Potsdam ging.

Am 1. Juli 1876 hieß es endlich: "Wasser marsch!"

Schwerfällig setzten sich an diesem historischen Tag im 1. Potsdamer Wasserwerk in der Bertinistraße die schnaufenden Dampfmaschinen in Bewegung und trieben die beiden Pumpen an, die aus einer Tiefe von 20–40 Metern das kostbare Nass ans Tageslicht förderten. Beachtliche 5.000 Kubikmeter Wasser aus 15 Bohrfilterbrunnen waren es täglich. Der technische Fortschritt hatte nun auch in Potsdam seinen Einzug gehalten.

Vom Wasserwerk wurde das Wasser in den 4.000 Kubikmeter fassenden Hochbehälter auf dem Pfingstberg gepumpt. Von dort aus gelangte es durch ein 47,3 Kilometer langes Rohrnetz zu den 1.152 Anschlussstellen der Stadt.

1898 ging man daran, das Wasser einer gründlichen Schönheitskorrektur zu unterziehen. Mittels einer neuzeitlichen Enteisenungsanlage, die aus einer offenen Koksrieslerbelüftung und fünf Langsamfiltern bestand, wurden dem Wasser Eisen und Mangan entzogen.

Und von nun an hatten die Potsdamer ein sauberes und wohlschmeckendes Trinkwasser. Über ein halbes Jahrhundert war mit dem Wasser aus der Bertinistraße alles klar. Nach der Errichtung der Wasserwerke Wildpark und Nedlitz sowie Erweiterungen im Wasserwerk Leipziger Straße wurde das veraltete Werk in der Bertinistraße 1952 stillgelegt.

Wasserwerk II - 1900 Die Bertinistraße bekommt Verstärkung

Um die Jahrhundertwende wollte eine Firma ihre Badeöfen und -wannen auch in der Residenzstadt Potsdam verkaufen und inserierte deshalb in der Tageszeitung mit folgendem Wortlaut:
„Das Wasser im Hause gibt Veranlassung zur Schaffung von Bade-Einrichtungen.“

Vielleicht war das zunehmend gewachsene Reinlichkeitsbedürfnis der Potsdamer – neben dem Umstand, dass auch die Teltower Vorstadt ans Netz gehen sollte – ein Grund dafür, warum das Wasser nicht mehr ausreichte. Das Wasserwerk in der Bertinistraße schaffte es nicht mehr, den immensen Bedarf zu decken. Also musste ein neues Wasserwerk, die Nummer II, gebaut werden.

1900 ging das zweite Wasserwerk Potsdams in der Leipziger Straße mit zwei Dampfkolbenpumpen in Betrieb. Die Tageskapazität betrug bei nur 6 Bohrfilterbrunnen 5.000 Kubikmeter Wasser, wovon ein Fünftel der Menge in den Hochbehälter auf den Brauhausberg gepumpt wurde. 1912 stieg man vom Dampfmaschinenbetrieb auf den elektrischen Betrieb um. Von dieser Zeit an wurden auch Wilhelmshorst, Rehbrücke, Bergholz, Langerwisch, Michendorf und Caputh mitversorgt.

Auch in der Leipziger Straße gab es im Laufe der Jahre Schwierigkeiten mit der Wasserqualität. Also knobelte man unermüdlich daran, der prekären Lage Herr zu werden. Und die Mühe lohnte sich. Das Grundwasser wurde durch Zerstäubung belüftet, das heißt, mit Sauerstoff angereichert und anschließend in 6 offene Schnellfilter geleitet. Das gewonnene Filtrat entsprach allen Erwartungen. Später konstruierte der zur Potsdamer Wasserwirtschaft gehörende Oberingenieur Rudolf Marschner geschlossene Druckfilter, die im Vergleich zu den genannten offenen Filtern eine Steigerung der Fördermenge um das Vierfache möglich machten. Die Zeit bleibt eben nicht stehen.

Wasserwerk III

Bereits 1927 schwante Potsdams Stadtvätern, was mit dem erkennbar raschen Entwicklungstempo ihrer Kommune auf sie zukommen würde: vermehrter Wasserbedarf. Zu den vorhandenen zwei Wasserwerken müsse, so befanden sie, ein drittes hinzukommen, übrigens mit Wohnhaus für das Bedienungspersonal und mit der Aufgabe, auch Geltow, Golm und Eiche mitzuversorgen. Über 100 Versuchsbohrungen und Grundwasserbeobachtungsbrunnen wurden niedergebracht, um in Eiche am Werderschen Damm ergiebige und geeignete Grundwasservorkommen nachzuweisen. Nach nur 3 Jahren Bauzeit stand 1932 die Nummer III der Potsdamer Wasserversorgung inmitten einer reizvollen Landschaft und beteiligte sich mit daran, den schier unstillbaren Durst der Potsdamer zu stillen.

20.000 Kubikmeter Wasser pro Tag waren geplant, aber die Aufsichtsbehörde genehmigte nur 5.000, da sie die Austrocknung des Wildparkes und der Gartenanlagen von Sanssouci durch Grundwasserabsenkung befürchtete.

Allerdings ohne triftigen Grund, wie man heute weiß. Das letzte diesbezügliche Gutachten von 1991 hat wiederum alle Bedenken zerstreut.

Auch beim Wildpark-Projekt mischten die Engländer kräftig mit. Sie lieferten das Material für die Ausrüstung des Werkes und Teile für das Rohrnetz. Die Förder- und Aufbereitungstechnik konnte sich sehen lassen: 4 Elektrokreiselpumpen, 8 Steinzeugheberbrunnen, 1 Sammelbrunnen und 3 offene Doppelfilter.

Doch schon 1936 stellte sich heraus, dass das Werk zu klein ist. Was Wunder, wenn behördliche Engstirnigkeit korrekte Ingenieurplanung außer Kraft setzt.

Bis 1938 wurde das Wasserwerk III mit geschlossenen Schnellfiltern und 12 zusätzlichen Hebebrunnen auf eine Tagesleistung von 15.000 Kubikmeter Wasser erweitert.

Auch technologische Verbesserungen vermochten die Wasserabgabe noch einmal deutlich aufzustocken. Denn vor allem an den fördertechnischen Anlagen auftretenden Verschleißerscheinungen musste ideenreich begegnet werden. Wiederum wurde ein Erweiterungsbau nötig und 1986 in Angriff genommen. Die unermüdliche Rekonstruktion älterer Werkteile bei laufendem Betrieb ist bis heute im Gang.

Wasserwerk IV

Am 1. September 1943, Beginn des vierten Kriegsjahres, kam etwas Neues in die Geschichte der Potsdamer Wasserversorgung. Diesmal wurde nicht gebaut, sondern gekauft, und es ging nicht nur um Trink-, sondern – geschuldet den zunehmenden Luftangriffen der Alliierten – hauptsächlich um Löschwasser.

Potsdam investierte 430.000 Reichsmark in den Erwerb der Kreiswasserwerke Nedlitz und Gallin. Dies schloss die bereits 1936 eingemeindeten Stadtteile Bornstedt, Bornim, Nedlitz, Fahrland und Marquardt an die Städtische Trinkwasserversorgung an. Auch im Wasserwerk Nedlitz, das eine Tageskapazität von 3.000 Kubikmetern hatte, setzte man alles daran, die Bevölkerung Potsdams mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen.

Indessen ließen der trockene Sommer 1944, Industrieverlagerungen im kleiner werdenden Deutschland und der beginnende Flüchtlingsstrom (behördenamtlich als „Personenzuzug“ getarnt) den Wasserbedarf bis an die Schmerzgrenze steigen. Wasser um jeden Preis, das war die Devise. Nach Kriegsende wurden die Versorgungsschwierigkeiten keinesfalls kleiner.

Die Stadt war voll gestopft mit Flüchtlingen, in die Kasernen von Potsdam, Krampnitz, Fahrland und Nedlitz zogen die sowjetischen Besatzer ein, und die Maschinen in dem kleinen Wasserwerk waren durch die jahrelange Überlastung völlig am Ende.

Ein Neubau war deshalb unumgänglich. Nach intensiven hydrologischen Vorarbeiten wurde mit dem Bau begonnen, und im Frühjahr 1952 ging das neue Wasserwerk IV in Betrieb. Für das alte schlug die Abschiedsstunde.

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